Zitronen-Taktik in Griechenland
Last Updated on Saturday, 19 November 2011 18:49 Thursday, 10 November 2011 23:06
Die Griechen haben einen neuen Präsidenten - einen Finanz-"fachmann", wie praktisch. Übergangshalber soll er die sogenannten Reformen weiterführen, die die Griechen an den Rand des Ruins gebracht, und die Gesetze der Marktwirtschaft ausser Kraft gesetzt haben.
Wenig überraschend brach der Binnenmarkt, das einzige was in Griechenland noch Umsatz generieren könnte, ein. Die Zitronen-Taktik des privat-sozialistischen Dreigestirns bestehend aus EZB, EK, und IWF zeigt Wirkung. Da der griechische Fiskus der weltweit gut vernetzen heimischen Finanzmafia nicht in die Tasche greifen kann, werden eben die geplündert bzw. ausgepresst, um im Bild zu bleiben, die nicht ihre Kohle mal eben in der Schweiz, der BRD oder einer anderen Steueroase mit windelweichen Geldwäschegesetzen deponieren können. Als Folge bricht das Wirtschaftswachstum ein, die Rückzahlung der Schulden wird unmöglich. Lucas Papademos, der parteilose, pragmatische Pro-Europäer, soll diesen Wahnsinn weiterführen - nicht zum Wohle der Griechen, nein, nein - zum Wohle der weltweiten Finanzmafia.
(Edit: Wie es aussieht sind einige der als harmlose "Technokraten" bezeichneten griechischen Minister nicht so unbescholten wie sie dargestellt werden: LePen-Freund Makis Mavroudis Voridis ist jetzt Minister für "Infrastruktur und Verkehr". Früher war er als Nazi-Schläger bekannt unter dem Namen "Hammer" Voridis. Sein Parteichef der neo-nazistischen LAOS-Partei ist der bekennende Shoa-Leugner Georgios Karatzaferis, auch bekannt als "KaratzaFührer".)
Marktwirtschaft bedeutet, dass Güter und Dienstleistungen auf einem (freien) Markt gehandelt werden können, wobei der Preis zwischen Produzent und Konsument frei verhandelt werden kann. Daraus folgt, dass ein Unternehmer keine Garantie hat, ob er einen Gewinn macht, und wie hoch dieser Gewinn gegebenenfalls ausfallen wird. Dies ist das Prinzip des unternehmerischen Risikos.
Für Finanzmafiosi gilt dieses Prinzip hingegen nicht (mehr). Sie haben, insbesondere wenn sie auf Wohl und Wehe von Nationalstaaten wetten, immer und grundsätzlich eine einhundertprozentige Gewinngarantie. EU-Rettungsmassnahmen wie der sogenannte "Euro-Rettungsschirm", für mich Unwort der Jahre 2010-11, signalisieren den Mafiosi: Juhu, Leute, ihr habt nichts zu befürchten, wir kaufen euch 'raus, Eure Angela Merkel! Diese Art korporatistischer Verflechtung kennt man sonst eher aus totalitären Systemen wie Nazi-Deutschland, Mussolinis Italien oder dem Liebling heutiger transnationaler Kapitalisten: des Volkes Republik China.
Das unternehmerische Risiko würde im organisierten Finanzwesen bedeuten, dass Banken und andere Spekulanten, die den Griechen Geld geliehen haben, dieses Geld abschreiben müssten. Ihr Produkt ist das Geld, das verliehen wurde, der Preis sind die Zinsen. Offenbar in grösster Naivität oder aber in an krankhaften Narzissmus grenzender Selbstüberschätzung und dummer Arroganz haben sie einfach den Preis, also die Zinsen, für das griechische Geld erhöht, in dem Glauben, dass dann ja alles seine Richtigkeit hätte: das Ausfallrisiko ist ja durch die höheren Zinseinnahmen adäquat abgebildet. Nationalökonomie als "Monopoly", alles was das Spiel stören könnte wird ignoriert. Anstatt sich ein einziges Mal ernsthaft die simple Frage zustellen: Wer soll das einmal zurückzahlen, und vor allem wie?
Schliesslich wird einem Kneipenbesitzer auch sein Verlust nicht von der Allgemeinheit ersetzt, wenn er einem Alkoholiker Tag für Tag Getränke ausgibt in der Hoffnung, eines Tages könne der seine Schulden schon zurückzahlen. Und ein solcher Kneipenwirt beansprucht nicht einmal halb soviel Seriösität und finanzmathematische Wissenschaft für sich, wie die geschniegelten "high-potentials" der angeblichen Spezialexperten der Finanzmafia für sich in Anspruch nehmen. Nicht umsonst ist der Status der Ökonomie als Wissenschaft umstritten. Insbesondere Makroökonomen haben grössere Ähnlichkeit mit Astrologen und Theologen als mit Wissenschaftlern.
Diese Karikaturen von "Experten", die personifizierte Verantwortungslosigkeit, also sollen jetzt Griechenland aus der Krise helfen, aus einer Krise, die noch nicht einmal offiziell als das benannt wurde was sie ist: eine Solvenzkrise Griechenlands, im weiteren Sinne eine europäische Bankenkrise, das vertuschen einer Spekulationsblase einerseits, und der Unfähigkeit der Griechen ihre eigene Finanzmafia auszutrocknen und das Geld, das sie für ihre Sanierung brauchen, daher zu holen wo es ist: bei den Reichen und Superreichen, bei der Bourgeoisie, der nationalen kapitalistischen Elite.
Stattdessen pressen sie die Arbeiter, Rentner und Angestellte aus. Konsequenterweise bricht der Binnenmarkt ein. Der Rest ist vorprogrammiert, und wurde bereits von Argentinien während der US-amerikanischen Bankenkrise der späten achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts vorexerziert: Erst Rettungsschirm bzw. Feuerwehrschlauch und Giesskanne, damals verabreicht von James Baker, US-Finanzminister, dann Schuldenschnitt und letzte Auszahlungen an die Banken, die auch damals schon keine Vernatwortung für ihre Geschäfte übernehmen wollten, mit den sogenannten Brady-Bonds, und dann eine zehnjährige Agonie mit drei Währungsreformen.
Wir können nur hoffen, dass Griechenland trotzdem nicht in die Militärdiktatur zurückfällt.
Ohne eine politische Einigung, ohne einen gesamteuropäischen Solidarpakt für ALLE Länder des gemeinsamen Währungsgebietes unter Einbeziehung ALLER Bewohner der Euro-Zone gemäss ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (auch Steuerflüchtlinge wie z.B. Schuhmacher gehören dazu), wird die europäische Desintegration weiter zunehmen. Auch in der traditionell ahnungslosen und schlecht informierten Bundesregierung setzt sich diese Erkenntnis langsam durch.
Warum muss nun das Bankstersyndikat gerettet werden? Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist der Kapitalismus, Finanzorganisationen haben hier die Schlüsselrolle der Verteilung und Verwaltung des Kapitals, des einzigen Austauschmittels. Sie haben daher gerettet zu werden, denn sie sind nicht nur wichtiger als die Krankenschwester, die Menschen pflegt, der Landwirt, der Lebensmittel erwirtschaftet, der Busfahrer, der Kinder zur Schule bringt, etc. pp., sondern ein nicht-Retten würde vor allem eines bedeuten: das Eingeständnis des Endes des Kapitalismus. Ich sage nicht Scheitern, denn der Kapitalismus ist nicht gescheitert. Im Gegenteil, dieses System war sehr erfolgreich im Erzeugen von Wohlstand; es ist nur äusserst ungeeignet für die Verteilung desselben.
Was nun die Griechen und die anderen Euro-Päer tun, ist, den Kapitalismus künstlich zu päppeln und am Leben zu erhalten, "on Life Support", im Wachkoma sozusagen.
Um mit Ronald Reagan zu sprechen:
"General Secretary Gorbachev Barroso, if you seek peace, if you seek prosperity for the Soviet European Union and eastern Europe, if you seek liberalization freedom, come here to this gate bed. Mr. Barroso, open this gate machine. Mr. Barroso, Mr. Barroso, pull this plug!"
(Ja, Barroso ist der falsche Ansprechpartner. Aber General Secretaries Merkel, Ackermann, Issing, Draghi, Trichet, Cameron, Weise, Monti, Berlusconi, Sarkotzy, etc. pp. zu schreiben war mir zu aufwendig.)
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