Israel - Neues Video von "Friedensterroristen"
Last Updated on Tuesday, 28 September 2010 12:17 Saturday, 12 June 2010 04:29
Entweder sind die israelischen Militärs völlig paranoid oder versuchen sich, wenig überzeugend, an jeden PR Strohhalm zu klammern der sich ihnen noch in den Weg stellt, um das PR Desaster um den Überfall auf das Schiff "Mavi Marmara" abzumildern. In ihrem Wahn scheinen sie die, im Vergleich zu bspw. einer Uzi, winzigen Messer der Kreuzfahrer für überlegene todbringende Mordwerkzeuge gehalten zu haben. Damit das aber keinem auffällt, könnte man jetzt von beiden Seiten argumentieren, hat Reuters bei der jüngsten Veröffentlichung zweier Photos von israelischen Soldaten an Bord der "Mavi Marmara" diese Waffen weggeschnitten, dann aber, wieder damit keiner etwas merkt, wieder drangeklebt.
Zusammen mit den ohnehin veröffentlichten Bildern des israelischen Aussenministeriums ergibt sich nun folgendes Bild: Wir haben Elitesoldaten bewaffnet mit 9mm Maschinenpistolen, mit Schnellfeuerkanonen bewaffneten Schnellbooten, Kampfhubschraubern, Schock- und Tränengasgranaten, (Paintball-) Farbmarkierern mit roter Farbe bestückt auf der einen, auf der anderen Seite zwei Bowiemesser, vier Küchenmesser, einen Dolch, einen kleinen Molotowcocktail (drei-viertel leer), vier bis fünf Zwillen mit Munition (Kieselsteine), zwei Taschenmesser, dazu Eisenstangen bzw. Rohrleitungen, eine Wasserpumpenzange, einen Hammer, mehrere Schraubenschlüssel (Maul, verschieden Größen), mehrere Holzstangen. Wie man es auch dreht und wendet: die Kreuzfahrer auf der "Mavi Marmara" können wohl schwerlich als eine Bedrohung für die israelische Sicherheit gewertet werden.
Neues Videomaterial zum Überfall gibt es hier oder hier, mit einer deutschen Hinleitung.
Möglich wäre ja, dass die Israelis sich in einem Zustand geistiger Umnachtung befinden, denn laut der Zeitung Haaretz (kommentiert beim zoon politikon) bezeichnen sich mittlerweile 30% der israelischen Soldaten als "gläubig" gegenüber 2% in 1990. In einigen Infanteriebrigaden sollen über 50% der Kommandeure religiös sein, sechs von sieben sind es in der Golani Brigade, drei von sieben in der Kfir Brigade und bei den Fallschirmjägern und der Givati Brigade auch immerhin noch zwei von sechs. Berichten der Süddeutschen Zeitung zufolge sollen Armee Rabbiner die Soldaten, auch während des Blitzkrieges Anfang 2009, mit Parolen wie: Erbarmen im Kampf zu zeigen ist unmoralisch, oder: Wir müssen kämpfen und die Nicht-Juden aus unserem Land vertreiben, versorgt bzw. indokriniert haben. Auch wenn nur 30% der Juden in Israel orthodox oder ultra-orthodox sind, stimmt auch von den nicht-orthodoxen eine Mehrheit gegen die Trennung von Staat und Kirche. Zusätzlich erschweren orthodoxe Ultranationalisten durch außerparlamentarische Lobbyarbeit eine Annäherung bzw. einen dauerhaften Frieden. Bekannterweise führen nun starke religiöse Gefühle gerne zu Halluzinationen oder Erscheinungen, auf denen sich dann ganze Weltreligionen gründen. Vielleicht hat ja die Aufregung ihr übriges getan, sodass die israelischen Kommandosoldaten gar nicht mehr so kühl und präzise handeln konnten wie sie sollten. Oder aber die Aktion war von den gleichen religiösen Wirrköpfen geplant von denen sie durchgeführt wurde. In jedem Fall war es ein Desaster - in jeder Hinsicht.
Und kann beinahe symptomatisch für den Umgang der Israelis mit Palästina stehen. Wenn sie das Schiff einfach nur stoppen wollten, hätten sie es abdrängen können. Wenn sie es entern wollten, und dabei Tote und Verletzte in Kauf nehmen, hätten sie auch das tun können - aber nicht mit Paintballmarkierern und fünf Soldaten. Es hat den Anschein als wollten sie sich nur auf ihren guten Ruf als kampferprobte Elitetruppe verlassen. Was das betrifft ist die Sache allerdings gründlich daneben gegangen, im Gegenteil, Israels Seestreitkräfte haben sich hier ebenso gründlich der Lächerlichkeit preisgegeben. Bewirkt haben sie nur, dass das Ausmaß des Unsinns der Gaza-Blockade deutlicher zu Tage tritt, der israelische, und dahinterstehend der US-amerikanische, Anspruch, alles und jeden in der Region kontrollieren und reglementieren zu wollen. Das ist, was man Gutsherrenart nennt und hat mit den Gepflogenheiten einer demokratischen Nation, die vorgeblich eigentlich nur den Frieden möchte, nichts mehr zu tun.
Was Israels Regierung jetzt zu tun hätte, ist endlich klare Auskunft über den Status der Palästinenser-Gebiete zu geben: sind die Gebiete jetzt besetzt oder nicht? Ist Israel Besatzungsmacht, d.h. ultimativ verantwortlich für Palästina, oder nicht? Ohne diese klare Aussage und ohne einen Verzicht auf solche Terroraktionen, die zudem noch in einem PR-Debakel enden das neues Wasser auf die Mühlen der Israel-Gegner giesst, wird Israels Unterstützung in der Welt irgendwann auch von dem überzeugtesten Anhänger nicht mehr zu rechtfertigen sein. Dann wird auch die Shoah nicht mehr als Persilschein durchgehen, denn es hat immer mehr den Anschein, als hätten die Israelis wenig bis nichts aus ihrer eigenen Geschichte gelernt.
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