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TerrorKiPoArbeitsplätze

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Und eine weitere Folge der beliebten Reihe: TerrorKiPoArbeitsplätze.

Jetzt, wo wundersamer Weise die deutsche Wirtschaft doch mehr zulegt, als die Kaffeesatzleser und Glaskugelbeschauer beim IfO in München erwartet hatten, und die deshalb in Partylaune sind, kann die Westerwelle nach Steuersenkungen für die Bezieher leistungsloser Einkommen krakelen, das Merkel schickt ihren neuen Informationsminister in den Ring, und SpOn und FAZ tun was für die Kinder. Das einzige, was bei ihren Artikeln wirklich sicher ist, ist allerdings die Opposition bei netzpolitik.org.

Mit "Terror, Terror"-Rufen kann man sich um die Innere Sicherheit verdient machen, oder, wie unser oberster Sicherheitschef de Maizière es gerne

total locker und ausgeglichen nennt: "innerer Friede und öffentliche Sicherheit". Der ist ja sooo sympathisch, der Thomas. Mit dem möchte man direkt 'nen Kräutertee trinken und beim Yoga über die Vollkommenheit der Welt, ja des Universums meditieren.

Schreit man "Kinderpornographie, Kinderpornographie", und am besten gleich "Internet, Internet, böse, böse" hinterher macht das beim beschränkten und beschämten Wähler gleich mal drei bis 15 Prozentpunkte plus. Es erstaunt jedoch zunächst, aus welcher Ecke das Geschrei kommt: Von der C-Partei, also dritte Wahl, wobei das "C" aber eigentlich für christlich steht. Also genau die Partei, die derjenigen Institution den Weg in die Politik ebnet, welche schon vor 50 Jahren eigens Leitlinien herausgeben musste, um der Plage der Kinderficker und Vergewaltiger in ihren Reihen Herr zu werden, nach dem Motto: "Wenn schon nicht keusch, dann wenigstens vorsichtig". Die, das muss man fairerweise sagen, sich ja in der Tradition eines so illustren Subjektes wie Papst Sixtus IV befinden. Sixtus No. 4, nebenbei Auftraggeber zur sixtinischen Kapelle und eines Bordells, besprang

"noch seine Schwester und Kinder [...], sein Neffe, Kardinal Pietro Riario, [koitierte] sich buchstäblich zu Tode [...] und [bekam] auch noch, Ehre wem Ehre gebührt, eines der schönsten Grabdenkmäler der Welt [...]" (K. Deschner).

Weiter geht's mit den Klöstern:

"Die Klöster waren oft die reinsten Bordelle, doch mussten die armen Nonnen, aus Sittlichkeitsgründen nicht selten sogar der Beichtväter beraubt, auch mit Kindern vorlieb nehmen, mit Vierbeinern. Wie denn nur beispielhalber die Ritter des Deutschen Ordens, verpflichtet, ein Leben „allein im Dienste ihrer himmlischen Dame Maria“ zu führen, alles vögelten, was eine Vagina hatte, Ehefrauen, Jungfrauen, kleine Mädchen und, wie wir nicht ohne Grund vermuten dürfen, weibliche Tiere." (K. Deschner).

Also das erwähnte Geschrei nach mehr Zensur, pardon: Schutz der Kinder- und Menschenrechte, kommt also von den (geistigen) Nachfahren dieser Heiligen. Und da soll irgendjemand ernsthaft glauben, es ginge ihnen tatsächlich um den Schutz der Kinder? Nein, natürlich, die haben sich geändert, die wollen gar keine absolute Kontrolle über uns, so wie sie die absolute Wahrheit besitzen, und um Macht geht's hier auch nicht. Nein, auch nicht um Herrschaft. Die würden nie mit den Gefühlen, Empfindungen und Ängsten der Bevölkerung spielen, das wäre ja unmoralisch, man würde ja "falsch Zeugnis ablegen", das wäre ja - nunja - unchristlich. Ich bin ein Schelm, ich denk' mir Böses.

Zensur muss aber sein. Das fordert nicht nur der gesunde Menschenverstand (wir sind schliesslich alle Selbstmordattentäter, oder wenigstens Verfassungsfeinde), sondern auch die Partnerschaft mit unseren Freunden und Handelspartnern aus so illustren Demokratien wie USA, Russland, China, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan oder der Türkei. Wir leben ja immerhin in einem globalen Dorf und müssen uns da auch einmal anpassen. Schliesslich sind wir (Deutschland) kein "kleines gallisches Dorf", haben keinen Zaubertrank und können uns ergo soetwas idealistisches wie freie Meinungsäusserung bzw. -austausch nicht leisten. Man muss auch mit der Zeit gehen und 'mal 'was als gegeben nehmen, Gottvertrauen beweisen, christlich sein also.

Wer "Arbeitsplätze, Arbeitsplätze" schreit, bekommt meist auch was er will: nämlich Geld vom Steuerzahler um ebensolche zu schaffen. Die FDP macht das seit über zwanzig Jahren. Der Erfolg spricht wohl für sich, oder auch nicht. Rüttgers in NRW hat das auch versucht, nur ist Nokia dann stiften gegangen mit der Kohle. Allerdings haben sie die versprochenen Arbeitsplätze auch geschaffen - für eine gewisse Zeit.

Kurzum: "TerrorKiPoArbeitsplätze" ist die beliebteste, weil erfolgversprechendste, Trias in der deutschen Politik: Da ist für jeden 'was dabei, und alle machen freudig mit! Sing' auch Du dies garstig Lied!

 

P.S.: Herr Deschner ist übrigens ein Lügner. Er hat sich z.B. die gesamte, bisher neunbändige, "Kriminalgeschichte des Christentums" ausgedacht, erstunken und erlogen. Kudos, Herr Deschner! Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, und hoffe, Sie mögen die Kraft finden, auch den zehnten Band fertigzustellen!

 

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