Sarrazin - die Zweite
Last Updated on Saturday, 08 January 2011 01:00 Friday, 10 September 2010 02:27
Die Bildungsmisere ist wieder da, und sie trägt einen neuen Namen: Thilo Sarrazin.
Man sollte meinen, dass jemand der eine akademische Laufbahn abgeschlossen hat, so wie Thilo Sarrazin, sich wenigstens den wissenschaftlich-ethischen Grundregeln der Aufrichtigkeit, der Redlichkeit und vor allem der Richtigkeit der gemachten Aussagen verpflichtet fühlt. Aber offenbar ist der Mann schon derart dement und/oder schwachsinnig oder er hat sich seinen Doktor der Staatswissenschaften an einer Schweizer Briefkastenuni gekauft, dass er solche Regeln nicht kennt oder nicht für nötig befindet sie einzuhalten.
Tatsächlich ist er ein Repräsentant der intellektuellen Unterschicht, der lebende Beweis dafür, dass auch vor PISA das deutsche Bildungssystem in geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen schon auf dem absteigenden Ast war, und es mit solchen Deppen (die auch in Biologie und Nationalökonomie nicht die beste Figur machen bzw. gemacht haben) in führenden Positionen auch schwerlich besser sein kann repektive besser werden wird.
Ich persönlich glaube ja, dass Sarrazin unter seiner eigenen Überflüssigkeit, Nutzlosigkeit und der damit verbundenen Unwichtigkeit leidet, die er damit immerhin schon erkannt hat, und sich dachte: Bei der Bundesbank bin ich eh nur noch Mobiliar, bevor ich gehe, bzw. gegangen werde, mach' ich nochmal richtig einen drauf! So ein Fall von Klassenclown, verkanntes Genie und GröFaZ (bisher) ohne Volk, gepaart mit Altersstarrsinn, mangelnder geistiger Flexibilität und eingeschränktem Horizont. Seit ungefähr zwanzig Jahren lebt Sarrazin auf Staatskosten, in seiner Zeit als Finanzsenator in Berlin hat er mit Derivaten versucht zu zocken. Als Mann von geringem Weitblick und noch weniger Scharfsinn musste die Sache natürlich schief gehen, woraufhin Sarrazin hinaus, in den Bundesbankvorstand, befördert wurde. Auf diesem represantativen, nicht ganz unwichtigen Posten sollte man meinen hätte er eigentlich genug zu tun gehabt. Weit gefehlt. Innert eines Jahres fand der Mann die Zeit, vermutlich in den Mittagspausen, an den Wochenenden und in den späten Abendstunden, also dann, wenn einem voll-berufstätigen Menschen Mußestunden zur Verfügung stehen, ein 464 seitiges Werk zu tippen. Leider fehlten ihm dann doch Zeit und Expertise, um seine Thesen mit empirisch wie logisch wahren Belegen zu versehen; er musste vermutlich noch die PR-Kampagne planen, was ja letztes Jahr im Probelauf schon gut geklappt hat und auch heute noch funktioniert. Der Mann sollte eher Marketingchef bei Media Markt/Saturn oder einer ähnlichen Krawallbude werden, anstatt andere mit Dingen zu belästigen, von denen er keine Ahnung hat.
Zum Thema Genetik gab es neulich in den "Trends in Genetics" (Vol. 26, No. 7, 2010) einen schönen Artikel mit dem Titel: "Human genome diversity: frequently asked questions", der Sarrazin mit Sicherheit besser informiert hätte als seine Gier nach Aufmerksamkeit.
Money Quote:
"The crucial role of Africa in human evolution is highlighted by many findings, including (i) the nucleotide differences between two Namibian Khoisans are greater than between European and Asian individuals, (ii) genetic differences between African populations are on average greater than those between Africans and Eurasians, (iii) the alleles found outside Africa are often a subset of the African allele pool, and (iv) continent-specific alleles or haplotypes are rare in general, but are far more common in Africa than in any other continent." (S.287).
Und noch einer, dieselbe Seite:
"In short, not only do humans show the lowest species diversity among primates but are also subdivided into populations that are more closely related than any other primate species, with the possible exception of bonobos (Pan paniscus)."
Im Klartext: Die Rassenlehre der Faschisten war damals schon falsch; die Rassenlehre der neuen Brandstifter, Menschenfänger, Demagogen und Populisten ist es auch heute noch. Und sie wird es auch immer bleiben, egal wie viele vorgebliche Tabus, selbsterdachte und -auferlegte Rede- und Denkverbote gebrochen werden.
Thilo Sarrazin ist nur in einer Hinsicht ein Tabubrecher: Ab jetzt müssen wir unsere Meinung oder das, was wir dafür halten, nicht mehr sachlich korrekt begründen, sondern wir können einfach unsere Vorurteile, unser Halbwissen, unseren (quasi-) religiösen Glauben wieder legitim als Wissen, als "die Wahrheit" verkünden und offen zur Grundlage zukunftsrelevanter Äusserungen, Handlungen und Entscheidungen machen.
Und wer's nicht glaubt, der wird dann eben dran glauben (müssen).
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