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Road Trip - Teil 1: Jinja-Kampala-Kigali in 15h

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Zwei meiner Kollegen waren schon da, und da mein Visum bald auslaufen sollte und ich so oder so USD 50 $ für ein neues bezahlen müsste, entschloß ich mich kurz, und fuhr nach Kigali. Von dort aus planten wir bei Ruhengeri über die Grenze nach Uganda zurückzukehren, und dann ein wenig Ugandas Westen zu erkunden.

alt

Nicht mit dem Bus, nicht mit dem Flugzeug über London und Kapstadt, nein, mit einem 125ccm kleinen Motorrad. Die etwa 700 km von Jinja nach Kigali konnte ich mit diesem, von einem Boda-Menschen für 25.000 UGX pro Tag (weniger als € 10 EUR) gemieteten Moped, in ungefähr 15 Stunden bewältigen.

15 Stunden mögen für 700 km Strecke selbst bei einer Spitzengeschwindigkeit von nur ca. 90 km/h viel sein, aber angesichts der Strassenverhältnisse bin ich mit dieser Zeit sehr zufrieden. Eigentlich alle Menschen denen ich erzählt habe, dass ich mit einem Boda-Motorrad innerhalb eines Tages von Jinja nach Kigali fahren werde, haben mir versichert, dass das nahezu unmöglich sei und man eigentlich mindestens zwei, wenn nicht sogar drei, Tage für ein solchns Unternehmen bräuchte. Nun, ichh habe Recht behalten.

 


  In Kampala mit einem Motorvehikel unterwegs zu sein ist, besonders mittags und abends, schauerlich. Insbesondere dann, wenn man sich so gar nicht auskennt. Nach einigen Irrfahrten und ungefähr zehn befragten Ordnungshütern, die wegen des Staus zu den Hauptverkehrszeiten den Verkehr regeln, fand ich endlich die richtige Strasse. Von da an war ich allein auf der Landstrasse mit den Selbstmördern, den potenziellen Selbstmördern, und ihren Gegenparts, den Mördern. Während der gemeine Selbstmörder meist in einer uralten Karre sitzt und nicht Autofahren kann, fährt auch der Mörder mit einer älteren Karre durch die Landschaft und kann ebenfalls nicht Autofahren. Der Unterschied ist nun, dass die Mörder in der Mehrzahl der Fälle in Trucks, LKW und Bussen sitzen, und damit mit ihrer unkonventionellen Fahrweise eher andere als sich selbst gefährden (ein vollbeladener 40t LKW, der dich mit 80 km/h auf einer Strasse überholt auf der selbst 40 km/h mit einem Jeep lebensgefährdend ist, wird selten merken, dass er gerade ein Motorrad nebst Fahrer plattgefahren hat). Tagsüber geht das ganze noch, nachts wird es dann richtig kriminell, besonders wenn die Strasse eher einem schweizer Käse gleicht und damit mehr Schlaglöcher von der Größe einer Badewanne besitzt als tatsächliche Fahrbahn vorhanden sein sollte. Nach 5 Stunden dieser Tortur ließ ich mich in einem kleinen Örtchen zum Mittagessen nieder und lauschte den sanften, synthetischen Klängen von "Für Elise", geplärrt aus den unglaublich lauten und schrägen Lautsprechern des Eis- oder Milchverkäufers. Nach der Rast ging es dann weiter, ohne Pause zur ruandischen Grenze, an der ich als letzter Kunde des Tages gegen halb zehn Uhr eintraf.

Nach Erledigung der Formalitäten (Import/Export Genehmigung für das Motorrad) auf beiden Seiten der Grenze  alt konnte ich dann gegen elf Uhr, mittlerweile war es stockdunkel, die Weiterfahrt nach Kigali antreten. Wenigsten konnte ich hier auf der richtigen Fahrbahnseite, nämlich der rechten, fahren. Die Strasse von Katuna (ug.) bzw. Gatuna (rw.) war recht gut in Schuß verglichen mit der ugandischen Seite, allerdings in so weit erschreckend, als von Zeit zu Zeit der Teer aufhörte und es auf Sand und Schotter weiterging. Im Dunkeln kann das einen Motorradfahrer schon ein wenig nervös machen. Um exakt 00.08 traf ich in Kigali ein und rief Michael an, der schon ein Zimmer für mich reserviert hatte. Nach weiteren anderthalb Stunden Irrfahrt durch das hügelige, an Kontinentaleuropa erinnernde Kigali fand ich dann das Hotel in dem wir schlafen würden. Unterwegs konnte ich noch einen Blick auf das aus dem Film "Hotel Ruanda" berühmte "Hotel des Milles Collines" werfen.

 

Zu meinem großen Bedauern musste ich feststellen, dass in Kigali Wassermangel herrscht, deshalb das Wasser rationiert ist und ich nicht vernünftig duschen konnte. Naja, Michael und Jessica waren jedenfalls froh mich heil und gesund zu sehen, und ich freute mich auf mein Bett.

 

Nach einer relativ kurzen Nacht machten wir uns auf den Weg zu diversen Völkermordgedenkstätten. Da in Ruanda zwischen dem 6. April und Ende Juni 1994 geschätzte 1.000.000 Menschen (etwa ein siebtel der Gesamtbevölkerung) von der Interahamwe

geschlachtet, mit Macheten, mit Nägeln bewehrten Knüppeln, normalen Knüppeln, Gewehren, Handgranaten, Messern, und was sonst noch irgendwie durch intensiven Gebrauch den Tod eines Menschen herbeiführen kann niedergemacht wurden, gibt es in und um Kigali ziemlich viele dieser Orte. Kigali heute macht einen friedlichen, geschäftigen Eindruck. Man ist eher mit sich selbst beschäftigt, die touristische Erschliessung der Stadt und des Landes hat eben erst begonnen. Umso schwerer fällt es sich vorzustellen, dass 15 Jahre zuvor die Strassen blutgetränkt und von unzähligen Leichen gesäumt waren. Zu dieser Zeit wurden jeden Tag dutzende Leichen in Jinja angespült, die ihren Weg von Ruanda in den Viktoriasee gefunden hatten. Im Süden Ugandas, nahe der ruandischen Grenze, existieren ebenfalls einige Massengräber.

Zuerst fuhren wir zur Ecole Technique Officielle (ETO), einer Schule in Nyanza etwas ausserhalb Kigalis. Die Völkermordgedenkstätte Ecole Technique Officielle in Nyanza, Kigali

In dieser Schule versteckten sich und suchten Schutz etwa 2500 Menschen. Bei ihnen waren 90 belgische Peacekeeper. Drei Tage später, nachdem Interahamwe und Präsidentengarde zehn belgische Peacekeeper, die den Premierminister bewachen sollten, ermordeten, wurde dem Rückzugsersuchen stattgegeben, und die Belgier verliessen zusammen mit einigen französischen Truppen, die sämtliche Europäer aus dem ETO eskortieren sollten, das Gelände. Während der Konvoi das Gelände verliess, drangen die Interahamwe Milizionäre in die Schule ein. Auch aus anderen Gegenden wurden Flüchtlinge gebracht. Es wurden Granaten in die Menge geworfen, die Überlebenden mit Macheten zerhackt. Wie viele Menschen hier starben, ist unbekannt.

 Menschen wurden lebendig in Jauchegruben geworfen, so dass die, die zuletzt kamen die ersteren zertrampelten. Nach dem Krieg wurden Gruben gefunden, in denen sich die toten Leiber 50 Personen hoch stapelten. Die katholische Kirche hat sich auch bei diesem Völkermord, wieder einmal, nicht mit Ruhm bedecken können und auch, wieder einmal, nichts unternommen um ihn zu stoppen (ich wünschte Herr Ratzinger würde nach Nyamata kommen und meine Frage beantworten, die ich in das ausliegende Gästebuch geschrieben habe: What's your excuse, Pope Benedikt?).  

Eglise Ntarama

Im Gegenteil, Kirchen wurden von den Menschen als Orte der Sicherheit und des Schutzes begriffen - zu Unrecht, wenn man sich die Bilder aus Ntarama und Nyamata anschaut.

 

 


In dieser Kirche wurden etwa 10.000 Menschen ermordet. In den umliegenden Gebieten waren es noch einmal etwa 30.000. Einige von ihnen sind in begehbaren Massengräbern aufgebahrt.


 

Das erste der zwei Gräber beinhaltet einfache Holzsärge.



Im zweiten sind Schädel und Knochen in Gruppen zusammengefasst und auf Regalen der Besichtigung freigegeben.



Zu Unrecht wurden Kirchen also als Horte des Friedens begriffen. Dies umso mehr, wenn man liest, dass ein Pfaffe seine eigene Kirche mit ca. 5000 Menschen darin von Buldozern niederwalzen liess, dass in Kigali Kirchen, mit Wissen und Billigung der Hirten, in denen sich Flüchtlinge aufhielten verbrannt wurden. Ganz zu schweigen von der katholischen Rassenlehre, die die Tutsi, da sie schlanker sind und eine hellere Haut haben, den Weissen und damit Gott näher sieht, und mit dieser konsequent umgesetzten Ideologie einen der Eckpfeiler für den Bürgerkrieg von 1994 stellt.

 Nach dieser emotional bewegenden und körperlich recht anstrengenden ersten Tageshälfte machten wir uns auf den Rückweg nach Kigali. Während der Fahrt hatte ich Gelegenheit meine neugewonnen Fahrkünste zu erweitern und zu festigen. Ich übte also das gleichzeitige Filmen und Fahren. Hier das Resultat:

 

 


und noch einer.

 


In Kigali angekommen machten Jessica und Michael sich direkt auf den Weg nach Ruhengeri, während ich das Kigali Memorial Centre besuchte. Da Jess und Mike schon seit zwei Tagen in Kigali waren, hatten sie die Ausstellung bereits besucht und konnten mich daher freundlicherweise durch das Strassegewühl Kigalis lotsen. Nach dem Besuch der Ausstellung machte ich mich ebenfalls auf den Weg nach Ruhengeri. Hier einige Impressionen von den Bergkämmen im Land der Tausend Hügel:

 


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